
|
8. Februar 2009
EUROSONIC
Ich habe das Festival Eurosonic ja schon erwähnt. Wie ihr wisst, handelt es sich dabei um
ein Festival, das im Januar in Groningen (Holland) stattfand. Ich hatte das Glück,
eingeladen zu sein - als einer von zwei Teilnehmern einer Podiumsdiskussion über
Sponsoring bei Festivals. Eurosonic - vielleicht nicht der fantasievollste Festivalname
(ein Freund fragte mich neulich, wie es bei Technodingsda gelaufen sei), aber das Festival
selbst war nicht übel. Es handelt sich dabei in erster Linie um ein Festival
für die Musikindustrie, was unschwer zu erkennen war, und ist eine Veranstaltung im Stil
von SXSW, dem Reeperbahn Festival und Iceland Airwaves, da es aus einer Reihe von Konzerten
besteht, die in den Clubs, Kneipen und Konzerthallen der Stadt stattfinden. Ich beging
den monumentalen Fehler, vor meiner Reise nicht in das Programm zu gucken, und verpasste dadurch
die eine Band, die ich am liebsten gesehen hätte, Twisted Wheel, da sie am
Donnerstagabend auftraten - ich kam am Freitagmorgen an. Ich habe es jedoch zu Neimo und
You Me At Six geschafft, bevor mir das Hauptproblem bei dieser Art von Festival ein Bein
stellte: das Schlangestehen, um in die Clubs zu kommen.
Die Diskussion fand am Samstagmorgen statt. Aufgrund der Kombination aus einem Publikum,
das komplett aus Festivalorganisatoren bestand, und der Uhrzeit für den Beginn der Veranstaltung
um elf Uhr ließen sich die Sachen zunächst etwas langsam an. Fabian - der andere
Diskussionsteilnehmer - und ich forderten daher das Publikum auf, Erfahrungen mit Sponsoring
auszutauschen. Es kam als keine Überraschung, dass viele Beispiele von großen
Unternehmen genannt wurden, die Festivals nicht verstehen und versuchen, im Gegenzug für
ihre Kröten die Art und Vorgehensweise der Veranstaltung zu manipulieren und zu steuern.
Es kam jedoch als Überraschung, dass man nicht zu viel Interesse daran zeigte, was die
allgemeine Öffentlichkeit bei der Veranstaltung eines angenehmen Festivals für
wichtig hält. Was ist das Grundlegende? Gute Musik - das
versteht sich von selbst, aber was gestaltet gute Open-Air-Musik angenehm? Saubere Toiletten,
Schutz vor schlechtem und gutem Wetter und eine Veranstaltung, die ihre Auswirkungen auf
die Umwelt minimiert?
"Warum schlägst du deinem Sponsor nicht vor, das Sponsoring deiner Festivaltoiletten
in Betracht zu ziehen?"
"Das würden die niemals tun", sagte man mir. "Es hat keinen Bezug zu ihrem Produkt."
"Sie würden es tun, wenn Sie Humor hätten", erwiderte ich.
"Haben sie nicht", antworteten neunzig Prozent des Publikums wie aus einem Mund
hinsichtlich des einen Sponsors, von dem wir sprachen - ein Hinweis: es handelte sich um ein
großes Handynetzwerk.
Die Jagd nach dem großen Marketinggeld hat anscheinend seinen Preis. Es gibt keine Garantie,
dass es sich letztendlich einstellt - dies sind schließlich globale Unternehmen, die 2009 stärker
daran interessiert sein werden, sich in der Schlange der staatlichen Hilfspakete ganz
nach vorn zu drängeln als zum Vergnügen von fünftausend Leuten an einem Wochenende im Juli
beizutragen. Ich war außerdem geschockt von den Unmengen an Zeit, die Festivalorganisatoren
mit den Besprechungen mit eben solchen potenziellen Sponsoren verbringen sollen,
Zeit, die besser in die Organisation des Festivals selbst investiert würde. Ist die Zukunft
daher nicht vielleicht, nach kleineren Unternehmen zu suchen? Sie haben vielleicht nicht so
viel zu bieten, zumindest unter dem monetären Aspekt, aber wenn sie lokal angesiedelt sind,
verstehen sie das Festival besser. Vielleicht gehen sogar viele ihrer Angestellten zum Festival.
Das ist so im Groben, was besprochen wurde. Im Groben deshalb, da ein Organisator sich
an der Vorstellung festklammerte, dass gute Toiletten eher nebensächlich seien verglichen
damit, dass seine Festivalbesucher ihr iPhone bei dem Festival optimal nutzen können: Fotos
von der Band zu machen, um sie Freunden zu schicken, scheint wichtiger zu sein, als die
Toiletten aufzusuchen oder überhaupt die Band zu sehen und zu hören. Vielleicht hat er recht.
Ich war niemals bei dem besagten Festival und besitze kein iPhone. Ich weiß lediglich, dass
ich mit Interesse die Markennamen bei Festivals vom letzten Jahr mit denen in diesem Jahr
vergleichen werde.
Und die Sache mit den Toiletten? Wenn sie immer noch zögern, globale Unternehmen abzuschreiben,
warum dann nicht eine der großen Fünf unter den britischen Banken als Sponsor? Und dann ihr
Logo unten in der Kloschüssel.
|